Die Architektur Limonaie Gardasee

Wegen der Morphologie der Küste von Salò bis Limone, zur Provinz von Brescia gehörend, mit hohen, den Ufern naheliegenden Felsen, musste der Anbau auf zirka vier Metern breiten Terrassen vorgenommen werden, die „cole“ gennant wurden (eine „cola“ entspricht einem terrassenförmigem Feld und sie stellten eine Einheit in diesem Bauschema dar).

Die Fläche zwischen zwei Paar Säulen, zwei vorne und zwei hinten gelegen, entsprach ungefähr 20 qm und wurde „campo“ oder „campata“ genannt. Am äußeren Rand jeder Terrasse befand sich ein kleiner Weg für den Bauer. Die Bäume wurden in den warmen Monaten im Freien gehalten und im Winter – wenn nötig – in beheizten Räumen untergebracht und geschützt.

Nach jahrelanger Pflege und verschiedenen Umpflanzungen wurden die inzwischen acht bis neun Jahre alten Zitronenbäume, deren Stamm bereits einen Durchmesser von acht bis zehn Zentimeter aufwies, direkt in den Boden des Feldes gesetzt. Hier konnten sie sich richtig auswachsen und ihre maximale Höhe von 9-10 Meter und ein Alter von bis zu 100 Jahren erreichen.

Des öfteren nütze man eine dieser Mauern auch für das Gerätehaus (im heimischen Dialekt „càsel“ genannt), im ländlichen Baustil von 2-3 Stockwerken, das sich wie ein Turm aufrichtete, die Säulen überragte und in obersten Teil mit dem Dach des Zitronenhaines in Verbindung stand. Dieser Bau diente als Schuppen und zur Abdeckung. Das Häuschen der Bauern befand sich oft anliegend, damit er die Temperatur in den kalten Winter ständig überprüfen konnte. Ein Zitronengarten bestand meistens aus mehreren übereinanderstehenden Terrassen; auch 4 oder 5 „cole“ auf verschiedenen Ebenen, rangförmig angereiht. Treppen aus Steinen und Ziegeln verbanden die Terrassen untereinander.

Sie befanden sich oft an sehr abgelegenen Stellen und verliehen dem Gebiet ein sehr typisches Landschaftsbild, das noch heute unterhalb dem Dorf Piovere, längs der ganzen Gegend um Gargnano und Limone.

Das Dach bestand aus großen Kastanienholzbalken, die „sparadòs“ und “cantèr” im heimischen Dialekt genannt wurden, die abnehmbaren Teile der Vorderfront nanne man “envedriàe” Fenster, “misili” und “üsère” Türen. Sie wurden durchlaufend nummeriert, um sie zu kennzeichnen und den Montagvorgang zu vereinfachen.

Die Gärtner mussten Tag und Nacht durcharbeiten um das Gewächshaus vor Nebel und Frost zu schützen oder umgekehrt, Sonne und frische Luft wieder hineinzulassen, insbesondere, wenn sich im Inneren große Luftfeuchtigkeit ansammelte. Auch nur eine Stunde Frost konnte für die Pflanzen und die Früchte verheerende Folgen haben. Eine Arbeit, die viel Aufopferung und ständige Überwachung verlangte und natürlich auch gute Sachkenntnisse.

Ende November, wenn das Klima rauer wurde, begannen die Bauern die Gestelle vorzubereiten. Jede Lücke wurde mit Stroh oder trockenem Gras verstopft. Die Gärten brauchten enorm viel Wasser und fast immer hatten die Eigentümer Nützungsrechte auf Quellen, langfließende Bäche und Flüsschen, die auch im Sommer Wasser führten.

In der Zeit der maximalen Expansion, in der zweiten Hälfte des 18. und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, konnte man eine große Rationalisierung der Bausysteme beobachten und die Gärten wurden in der ganzen Gegend weitgehenst standardisiert.

Teil von die Buch „Die Zitronengärten am Gardasee Vergangenheit und Gegenwart“ von Leila Losi